|
Wenn es um die züchterischen Verbesserung
bestimmter Eigenschaften des Hopfens geht, dann führt kein Weg am
Hopfenforschungszentrum Hüll vorbei - es gehört zu den 16 weltweit
führenden Instituten.
Den Wissenschaftlern in der Hallertau steht
dabei - wie Dr. Elisabeth Seigner, Leiterin der Züchtungsforschung,
ausführt - einer der größten internationalen Genpools zur Verfügung:
150 Sorten aus dem In- und Ausland, 15000 der bedeutenden weiblichen
Zuchtstämme und 4000 männliche. Hinzu kommt eine Wildhopfensammlung mit
Pflanzen aus Europa, Asien Australien und Nordamerika, die ständig
erweitert wird. Über 100 Kreuzungen werden hier von Anton Lutz pro Jahr
durchgeführt, deren Ergebnisse genauestens dokumentiert werden. Dr.
Stefan Seefelder unterstützt und beschleunigt diese klassische Züchtung
über die moderne Genomanalyse - weil der genetische Fingerabdruck die
schnelle und zuverlässige Auslese ermöglicht. Von Seigner werden all
diese Züchtungsarbeiten koordiniert. Für die chemische Analyse der
Inhaltsstoffe der neu gezüchteten Hopfen ist Dr. Klaus Kammhuber am
Hopfenforschungszentrum Hüll zuständig.
|
Noch orientiert sich die Züchtung in der
Hallertau an den Anforderungen der Brau- und Hopfenwirtschaft,
lediglich zwei Prozent des Absatzes geht in den pharmazeutischen und
andere Bereiche, so Seigner. In erster Linie geht es um gesunden Hopfen
mit breiter Resistenz, um exzellente Qualität sowie hohen Ertrag.
Gesundheitsfördernde Stoffe im Hopfen spielen allerdings, wie die
Expertin einräumt, eine wachsende Rolle - dazu gehören auch
Inhaltsstoffe wie die ätherischen Öle und Polyphenole. Jeder
Wildhopfen, jede Zuchtlinie besitzt ein eigenes, typisches Aromaprofil
mit mehr als 300 Komponenten. Die Wirkweise der ätherischen Öle wird
unter anderem vom Prof. Dietrich Wabner in Garching untersucht. Bei den
Bitterstoffen unterscheidet man Alphasäuren, Betasäuren und
Polyphenole, zu denen auch das viel diskutierte Xantohohumol gehört.
Neben der Frage, welche gesundheitsfördernden Inhaltsstoffe überhaupt
im heimischen Hopfen vorliegen, müssen die Wissenschaftler ermitteln,
in welchen Bereichen Handlungsbedarf besteht und ob hierfür die
genetischen Ressourcen schon vorhanden sind. Beim Xanthohumol kann
Seigner dies bereits bejahen. Schon der im praktischen Anbau
befindliche Hallertauer Taurus enthält diesen Stoff in der weltweit
höchsten Konzentration (1%), in Hüll verfügt man aber über
Zuchtmaterial mit bis zu 1,7%. Die Sorten und Zuchtlinien aus Hüll
bieten darüber hinaus eine Fülle von verschiedenen Inhaltsstoffen, im
Bereich der relativ neuen Anwendungen des Hopfens vor allem jene mit
antimikrobieller oder bakteriostatischer Wirkung zum Einsatz kommen -
als Formalinersatz in der Zuckerindustrie, als Bitter-Säuren in der
Ethanol-produktion, als Konservierungsmittel in der
Lebensmittelindustrie, zur Hygienisierung von biogenen Abfällen
(Klärschlamm) und in der Kosmetikindustrie.
|